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Die Krebsvorsorge

Über Nutzen und Bewertung der Krebsvorsorge aus ganzheitsmedizinischer Sicht

Vor vierzig Jahren wurden in Deutschland  bundesweit die (weltweit ersten) regelmäßigen Krebsfrüherkennungsmaßnahmen für die Frau eingeführt. Seither sind sie im allgemeinen Bewusstsein fest als sogenannte "Krebsvorsorge-Untersuchung" verankert. Anfangs wurde nur der Unterleib auf Frühstufen bösartiger Befunde untersucht, später kamen weitere Organe dazu, schließlich wurde auch beim Mann die Krebsfrüherkennung etabliert. Die Früherkennungsuntersuchungen werden derzeit von zirka 30 Prozent der Frauen, davon mehr als die Hälfte jährlich, und zehn bis 15 Prozent der Männer in der Bundesrepublik Deutschland wahrgenommen. Im Folgenden wollen wir uns auf die Krebsfrüherkennungsuntersuchungen der Frau beschränken, und uns hier speziell mit den Ergebnissen des sogenannten "Krebsabstriches" befassen.

Welchen Sinn und Zweck hat es, ausgerechnet in dieser Zeitschrift über derartige Einzelheiten der gynäkologischen Früherkennung zu schreiben? Bei etwa zehn bis 15 Prozent dieser Untersuchungen findet sich ein auffälliger Befund. Der betroffenen Patientin wird in der Regel zu dem Untersuchungsbefund eine Empfehlung mitgegeben. Die Mitteilung des Ergebnisses durch den untersuchenden Arzt erzeugt oft Verwirrung, Unsicherheit und Angst. Welchem Rat soll die Frau folgen? Welche Behandlung ist erforderlich, welche zuviel? Ist die empfohlene Operation wirklich notwendig? Gibt es natürliche Alternativen zu der vorgeschlagenen Behandlung? Wie sind aus naturheilkundlicher Sicht Befund und gegebenenfalls die empfohlene Therapie zu bewerten? Soll ich überhaupt zur "Vorsorge" gehen? Diese und ähnliche Fragen sollen hier beantwortet werden.

Das beste Mittel gegen Angst ist Wissen. Erst dadurch wird eine eigenverantwortliche Entscheidung nach Beratung durch den Arzt möglich. Soviel sei zuvor gesagt: In den meisten Fällen sind keine schwerwiegenden Maßnahmen erforderlich, so dass die Vorsorge von jeder Frau angstfrei wahrgenommen werden sollte. Die Bestandteile der vollständigen, sogenannten Vorsorgeuntersuchung sind in Tabelle 1 aufgeführt.

 

Sinn und Nutzen der Krebsfrüherkennung

1. Die Früherkennung erfasst nur einen kleinen Teil aller Tumore

Vorsorgemaßnahmen wurden eingeführt, nachdem man erkannt hatte, dass bestimmte Krebsarten, allem voran der Gebärmutterhalskrebs, nicht schicksalhaft ablaufen, sondern im Frühstadium heilbar sind. Der Sinn der Krebsfrüherkennung besteht folglich in der Erfassung von Tumoren im Frühstadium, solange eine Heilung

a) möglich,

b) mit einfachen Mitteln zu erreichen ist und

c) in einem vernünftigen Kosten-Nutzen-Verhältnis steht.

Viele Tumore wären zwar im Frühstadium heilbar, lassen sich jedoch nur mit sehr großem Aufwand oder überhaupt nicht in diesem Frühstadium erfassen. Hierzu zählt beispielsweise Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Nierenkrebs. Da sich die Suche nach Frühstadien dieser Erkrankungen als äußerst aufwendig und schwierig erweist, sind sie nicht in den Katalog der Früherkennungsmaßnahmen aufgenommen worden.

Gegenstand der Früherkennungsuntersuchung sind folglich nur Tumore, die sich mit einfachen Mitteln in einem heilbaren Frühstadium erkennen lassen. Hierzu zählen alle Tumoren der Hautoberfläche (Hautkrebs) sowie der tastbaren inneren Organe: Prostata beim Mann, Unterleibskrebs (allem voran der Gebärmutterkrebs) bei der Frau und Brust bei der Frau. Weiterhin zählt dazu der Darmkrebs, der sich ebenfalls mit einer sehr einfachen Methode erkennen läßt.

Andererseits hat es keinen Sinn, Früherkennung zu betreiben bei Erkrankungen, die zwar früh erkennbar sind, aber praktisch in den meisten Fällen keinerlei Aussicht auf Heilung besitzen: hierzu zählen beispielsweise der Lungenkrebs oder sehr bösartige Gehirntumoren. Man mag dies im Einzelfall bedauern, aber es hätte wenig Sinn, Millionen von Menschen mit Reihenuntersuchungen zu belasten, wenn die gesuchte Erkrankung trotz ihrer frühzeitigen Erkennung schließlich unheilbar bliebe.

2. Vorsorge hat ihren Preis

Je größer die Empfindlichkeit einer Untersuchungsmethode, desto höher die Quote an sogenannten falsch positiven Befunden, das heißt an Ergebnissen, die zwar auffällig, aber nicht auf eine bösartige Erkrankung zurückzuführen sind. Die Abklärung dieser Befunde erfordert Zeit und Geld, abgesehen davon, dass sie eine nicht unerhebliche Irritation bei der betroffenen Patientin erzeugt, bis der Verdacht auf Bösartigkeit ausgeräumt ist: Je enger das Netz, desto mehr bleibt unnötig hängen. Dieser "Nachteil", dass auch ein unnötiger Wirbel entsteht, ist aber untrennbar mit der hohen Empfindlichkeit einer Untersuchung verbunden.

Ich will dies an einem Beispiel erläutern: Die Mammographie ist eine äußerst empfindliche Untersuchungsmethode der weiblichen Brust, mit der Tumoren, lange bevor sie zu tasten sind, entdeckt werden können. Deswegen entdecken wir damit aber auch andere feinste Veränderungen, wie zum Beispiel Kalk, die sich von einem bösartigen Tumor nicht unterscheiden lassen. Es bleibt nur die Entnahme und die Untersuchung des betreffenden Gewebebezirkes. Wenn sich dann dessen Gutartigkeit herausstellt, scheint bei oberflächlicher Betrachtung alles unnötig gewesen zu sein. Als es die Mammographie noch nicht gab, gab es doch auch weniger von diesen "unnötigen" Operationen! Das stimmt - aber es wurden eben auch nicht so viele Brustkrebse in ihrem frühesten Stadium erkannt. Für unsere Überlegungen zur Früherkennung des Unterleibskrebses bedeutet das: Neben den Vorstufen von bösartigen Erkrankungen werden auch viele gutartige, zum Beispiel entzündliche Befunde entdeckt, die ebenfalls behandlungsbedürftig, aber keinesfalls lebensbedrohlich sind.

Wenn wir weitere und immer empfindlichere Früherkennungsmaßnahmen wünschen (was medizinisch durchaus machbar ist), dann müssen wir uns über deren psychologische und wirtschaftliche Folgekosten im Klaren sein. Mir scheint, dass der Ruf nach immer weiteren Früherkennungsmaßnahmen, auch gutartiger Erkrankungen (Screening), in eine falsche Richtung zielt: Viel wichtiger wären Aufklärung und Ermutigung zu echten Vorsorge-Maßnahmen, die verhüten, dass es überhaupt zu solchen Erkrankungen kommt. Damit sind wir beim nächsten Punkt:

3. Krebsfrüherkennung ist keine Vorsorge

Die Früherkennung kann nur das erkennen, was zuvor bereits an organischen Veränderungen stattgefunden hat. Unsere sogenannte "Vorsorge"-Untersuchung ist also keine Vorsorge im eigentlichen Sinne, sondern Früherkennung, was häufig verwechselt wird. Diese bei vielen Millionen Frauen jährlich vorgenommene Untersuchung hat nach den obigen Ausführungen folglich nur deshalb einen Sinn, weil noch eine Heilung möglich ist.

Echte Vorsorge, im Sinne des Vorbeugens, dass es erst gar nicht zu bösartigen Veränderungen kommt, bedeutet jedoch etwas viel umfassenderes, was weit über die Früherkennung hinausgeht. Vorsorge hat zu tun mit meiner individuellen Lebensführung. Gesunde, "heile" Lebensführung bewegt sich in einem seit alters her bekannten klassischen Dreier-Spannungsverhältnis: Meine Haltung und Einstellung zu mir selbst, meiner Umwelt und zu meinem Gott. Wenn diese Verhältnisse stimmen, wirkt sich das bis in die Einzelheiten meiner Lebensführung aus, wie die Ernährung, die Bewegung, die Vermeidung oder Ausschaltung von Risiken. Die Aufklärung und Beratung darüber sind seit Hippokrates eine der Hoheitsaufgaben des ärztlichen Handelns. Sie sind mit der Ordnungstherapie zu einer der Säulen der klassischen Naturheilverfahren geworden. 

Es ist eine uralte Erfahrung der Menschheit und eine der wesentlichen Erkenntnisse der modernen Naturheilmedizin, dass funktionelle Störungen organischen Veränderungen lange vorausgehen. In der Naturheilkunde werden diese Erkrankungen bevorzugt erkannt und behandelt. Wir glauben, dass damit die Selbstheilungskräfte des Organismus so gestärkt werden, dass späteren organischen Erkrankungen vorgebeugt wird: Vorsorge im echten Sinne, sogenannte Primärprophylaxe, so dass es erst gar nicht zum Auftreten bösartiger Erkrankungen kommen kann. Die sogenannte "Vorsorge", das heißt Früherkennung folgt erst sodann (siehe Tabelle 2). In dieser Tabelle ist noch der Vollständigkeit halber die Nachsorge genannt, in der nach Auftreten und Erstbehandlung einer Krebserkrankung festgelegt wird, wie einem Wiederauftreten vorgebeugt werden kann. Die Stärken und Schwächen von Schulmedizin und Naturheilmedizin in den jeweiligen Bereichen sind angedeutet.

 Benennung             Bedeutung              Ganzheitsmedizin  

              Schulmedizin

 Verhütung              Primärprophylaxe                   ++                           -

 

 "Vorsorge"             Früherkennung                       (+)                           ++

 

 Nachsorge              Sekundärprophylaxe              ++                           (+)

 

 Tabelle 2: Unterschied Vorsorge - Früherkennung

 

4. Technik der Früherkennungsuntersuchung

Mit speziellen einfachen Instrumenten (Wattetupfer, Spatel und Bürstchen) werden aus dem Muttermundskanal (Cervix) und seiner sichtbaren Oberfläche (Portio) Zellen abgestrichen (Abstrich, vergleichen Sie hierzu Abbildung 1 und 2). Diese werden zur Färbung und Untersuchung an spezielle Labors (Zytologie-Labor) unter ärztlicher Leitung eines dafür ausgebildeten und geprüften Zytologen geschickt. Die Bewertung der untersuchten Zellen erfolgt in fünf Gradeinteilungen. Sie werden zu Ehren ihres Erforschers, Dr. Papanicolaou aus Griechenland, mit "Pap"-Graden bezeichnet.

Resultate und Empfehlungen bei der Früherkennungsuntersuchung der Frau im Genitalbereich (vereinfacht)

1. Harmlose Befunde ohne weitere Empfehlungen des Labors:

Pap I: Völlig unauffällige Zellen ohne jeden Verdacht.

Pap II: Leichte Entzündungszeichen an den Zellen, daneben Vorkommen von Entzündungszellen oder Bakterien. Keine verdächtigen Zellveränderungen.

2. Befunde mit weitergehenden Empfehlungen des Labors:

a) Veränderungen des Muttermundes:

Pap IIW: (W = Wiederholung) Die Entzündungszeichen sind ausgeprägter, so dass eine Kontrolle, meist nach entsprechender Behandlung, empfohlen wird. Sinn der Kontrolle: um nicht dadurch verdeckte, eventuelle zusätzliche Zellveränderungen (Dysplasien, Präkanzerosen) zu übersehen.

Pap IIID: (D = Dysplasie) Ausgedehnte Zellveränderungen (Dysplasie), die einer engmaschigen Kontrolle bedürfen (zum Beispiel vierteljährlich). Als Ursachen dieser Zellveränderungen finden sich häufig Virusinfektionen mit dem Virus "HPV", selten auch schwere Pilzinfektionen des Genitales, oder keine erkennbare Ursache. Diese Veränderungen (Dysplasien) heilen zu 70 Prozent innerhalb von einem Jahr wieder vollständig ab. Zirka zehn Prozent bleiben dagegen über mehr als ein Jahr bestehen. In einem sehr kleinen Prozentsatz schreiten diese Veränderungen weiter fort, aus der leichten Dysplasie entwickelt sich die schwere Dysplasie. Sie wird dann bereits in die nächste Pap-Gruppe, Pap IV eingestuft.

Übliche Empfehlung bei Pap IIID: Abstrichkontrolle nach einem Vierteljahr.

Pap IVa: Hierbei handelt es sich um noch ausgedehntere Zellveränderungen des Muttermundgewebes im Sinne einer Präkanzerose. Man spricht von einem sogenannten Carcinoma in situ, das heißt es handelt sich um Veränderungen, die wie ein Karzinom aussehen, aber noch nicht streuen, und durch Ausschneiden (Operation) vollständig geheilt werden können. Der Zusatz "a" bedeutet: In dem untersuchten Material finden sich keine Verdachtsmomente, die auf eine Streuung in umgebendes Gewebe (Bösartigkeit im eigentlichen Sinne) hinweisen.

Präkanzerosen (Krebsvorstufen) des Muttermundes können sehr lange unverändert bestehen, aber ohne entsprechende Therapie entwickelt sich in 90 Prozent der Fälle aus ihnen innerhalb von fünf bis fünfzehn Jahren ein echter bösartiger Befund, also ein Cervixcarcinom (Gebärmutterhalskrebs). šbliche Empfehlung bei Pap IVa: Gezielte Gewebeprobe oder vollständiges Ausschneiden des befallenen Gewebsbezirks in einer kleinen Operation (sogenannte Konisation, von "Konus").

Pap IVb: Gleicher Befund wie IVa, jedoch bereits erste Anzeichen von Fortschreiten der Erkrankung. Empfehlung wie bei Pap IVa.

Pap V: Das Labor äußert mit dieser Einstufung den dringenden Verdacht auf einen fortgeschrittenen bösartigen Befund. šbliche Empfehlung: Gewebeprobe durch Ausschabung, um den Befund zu bestätigen, näher zu klassifizieren und um eine weitere Information über die Ausdehnung des Befundes zu erhalten. Erst dann kann eine Krebsoperation, meist mit Entfernung des erkrankten Organs (Gebärmutter) geplant und durchgeführt werden. In ganz selten Fällen kann selbst einem Pap V noch eine harmlose Erkrankung zugrundeliegen, die ohne schwerwiegende Konsequenzen behandelt werden kann.

b) Veränderungen der Gebärmutterhöhle

Pap IIIE: Im Material finden sich Zellen aus der Gebärmutterhöhle zu einem Zeitpunkt, da diese nicht (mehr) vorkommen dürfen: Außerhalb der Menstruation, in höherem Alter nach der Menopause. Um auszuschließen, dass diese Zellen von einem bösartigen Prozess in der Gebärmutterhöhle stammen, werden weitergehende Untersuchungen veranlasst.

Übliche Empfehlung: Ultraschall, Spiegelung, Ausschabung der Gebärmutter.

c) Veränderungen unklarer Natur

Pap III: Sogenannter unklarer Befund, der sich keiner der obengenannten Gruppen zuordnen läßt. Hierbei kann es sich um völlig harmlose Veränderungen bei sehr ausgedehnten Entzündungen handeln, andererseits aber auch um bösartige Prozesse, die vom Labor anhand des untersuchten Materials vermutet, aber nicht bewiesen werden können.

Übliche Empfehlung: Auch hier sind kurzfristig weitere Abklärungen erforderlich.

 

5. Fehlermöglichkeiten und Grenzen der Methode

Wie bei jeder Untersuchungsmethode, die von Menschen durchgeführt wird, sind Fehler nie vollständig ausgeschlossen. Ein auffälliger Befund im Genitalbereich kann durch unzulängliche Entnahmetechnik oder Transportfehler nicht erkannt werden. Seit zirka 1990 wird bundesweit an Qualitätssicherungs-Maßnahmen gearbeitet, die diese Fehler weitgehend ausschließen sollen. Beispielsweise sind die Zytologie-Labors verpflichtet, dem Einsender die Qualität seines Abstriches mitzuteilen und ihn auf eventuelle Verbesserungsmöglichkeiten hinzuweisen.

Bei der Früherkennung mittels Abstrichtechnik kommt noch eine spezielle Besonderheit hinzu: Gelegentlich sind die Zellveränderungen im Muttermundkanal so umschrieben (lokalisiert), dass durch den Abstrich das auffällige Zellmaterial nahezu vollständig entfernt wird (vergleichen Sie hierzu Abbildung 1 und 2). Ein erneuter Abstrich kann daher kein weiteres Material mehr zutage fördern, es muss im wahrsten Sinne erst wieder "nachwachsen". Darauf zu warten, beinhaltet jedoch ein gewisses Gesundheitsrisiko. Bei auffälligen Abstrichen ist es daher nicht sinnvoll, unmittelbar danach zu Kontrollzwecken bei demselben oder einem anderen Arzt einen Zweitabstrich durchführen zu lassen, da dieser Abstrich in der Regel unauffällig sein wird (das gesamte erfaßbare auffällige Zellmaterial wurde ja vorher bereits entfernt). Eher ist es ratsam, das gewonnene Material von einem weiteren ausgebildeten Zytologen untersuchen zu lassen, was in größeren Labors ohnehin geschieht, bevor der Befund an den Einsender herausgegeben wird. Es empfiehlt sich dann, die in der Befundung angegebene Therapieempfehlung zu befolgen.

 

6. Wertung der Einstufungen nach Pap aus naturheilkundlicher Sicht

Aus naturheilkundlicher Sichtweise legen wir großen Wert auf den Unterschied zwischen reversiblen (zum Beispiel entzündlichen) und irreversiblen Veränderungen (Entartung). Reversible Veränderungen können durch medizinische, insbesondere naturheilkundliche Maßnahmen geheilt werden, indem die Abwehrkräfte des Organismus, seine Regulationsfähigkeit geweckt und gestärkt werden. Irreversible Gewebsveränderungen entziehen sich der Kontrolle des Organismus und damit auch derartigen regulierenden Maßnahmen; sie wachsen unkontrollierbar weiter. Sie sind nur noch durch drastische Eingriffe wie eine Operation zu heilen.

Entartete Zellen oder entartetes Gewebe ist dadurch gekennzeichnet, dass es sich dem Regulationsgeschehen des Organismus weitgehend entzogen hat und autonom zu wachsen beginnt.

Die Grenze zwischen beidem liegt im Falle der Früherkennung des Gebärmutterhalskrebses zwischen dem Befund IIID und IVa: Dysplasien leichten und mittleren Ausmaßes können noch ausheilen, Präkanzerosen nicht mehr.

Im Falle eines festgestellten Befundes Pap IIID kann also zunächst der Kontrollabstrich nach einem Vierteljahr abgewartet werden. Mir erscheint es jedoch sinnvoll und im Sinne echter Vorsorge, diesen Zeitraum zu nutzen, um nach möglichen Einflussfaktoren zu fahnden, die zu diesem Befund beigetragen haben könnten. Hierzu könnten die Überlegungen in zwei Richtungen gehen:

a) gibt es Möglichkeiten der Infektionsvermeidung und

b) habe ich Möglichkeiten zur Stärkung der körpereigenen Abwehr?

Die Ursache der im Genitalbereich zu findenden Zellveränderungen sind in erster Linie Virusinfektionen, vor allem durch das genannte Virus HPV, das häufig durch Sexualkontakt übertragen wird. Bin ich einer erhöhten Infektionsgefahr, zum Beispiel durch häufigen Partnerwechsel, ausgesetzt? Bestehen andere begünstigende Faktoren wie begleitende Infektionen, die behandelt werden sollten? Es sind jedoch auch Fälle von körpereigener Infektion (bei früher durchgemachten Warzen an Fingern oder Zehen, die von dem gleichen Virus hervorgerufen werden) beschrieben worden, so dass auch bei Paaren, die in völliger Einehe leben, derartige Infektionen gefunden werden können.

Zur Stärkung der Abwehrkräfte bestehen verschiedene Möglichkeiten, deren Art und Umfang im Einzelnen mit einem naturheilkundlich ausgebildeten Arzt erörtert werden sollten. Beispielsweise haben bereits einfachste Maßnahmen wie regelmäßiger Besuch der Sauna, Ernährungsumstellung oder eine Woche Heilfasten nachhaltige Wirkungen auf die Funktionsfähigkeit der körpereigenen Regulation. Hierzu gehört auch die Behandlung eventuell bestehender funktioneller Störungen anderer Organe (Störfelder). Die empfohlenen Maßnahmen sollten an Ausmaß und Dauer den festgestellten Veränderungen angepasst sein. Insbesondere sollte der beratende Arzt im Auge behalten, dass es sich noch lange nicht um eine bösartige Erkrankung handelt, und dementsprechend vermeiden, von "Krebs" zu sprechen.

Die Stadien Pap IVa bis V bedeuten, dass die Zellen bereits entartet sind und sich der Kontrolle des körpereigenen Immunsystems weitgehend entzogen haben. Eine Therapie über eine Anregung des Immunsystems, über Homöopathie, anthroposophische Medizin, Akupunktur oder andere Regulationsverfahren, ist daher - von wenigen Sonderfällen abgesehen - nicht sinnvoll. Wer anderes behauptet, sollte dies auch beweisen können. Die Empfehlung zur Entfernung des veränderten Gewebes sollte daher befolgt werden. Begleitende Maßnahmen zur Stärkung der Abwehrkräfte sind aber dennoch sehr zu empfehlen, da die aufgetretenen Präkanzerosen ja gerade auf den Schwächezustand der Abwehrsysteme hinweisen. Deren Stärkung führt zu einem Schutz vor dem Wiederauftreten derartiger Präkanzerosen und vor späteren Schädigungen anderer Körpersysteme.

Die Stufe III stellt eine Besonderheit dar. Es handelt sich um einen unklaren Befund, der je nach Zusatzbefunden durch eine Gewebeprobe oder durch eine medikamentöse Behandlung mit nachfolgendem Kontrollabstrich geklärt werden sollte. Eine generelle Aussage über die Bewertung dieses Befundes kann daher nicht getroffen werden.

 

7. Zusammenfassende Empfehlung für ganzheitlich orientierte Frauen     hinsichtlich der Krebsfrüherkennung:

1. Ganzheitliche Vorsorge betreiben

In dem Wissen, dass die Verhütung ernster Erkrankungen zu großen Teilen möglich ist, indem ich mir eine ganzheitliche (heile) Lebensweise aneigne.

2. Wahrnehmung der Früherkennungsuntersuchungen

Soll ich denn überhaupt Früherkennungsmaßnahmen nutzen? Ja! Die Todesfallhäufigkeit des Gebärmutterhalskrebses ist in allen Ländern seit der Einführung der routinemäßigen Früherkennung gesunken (neueste Daten scheinen einen ähnlichen Effekt auch für das Mammakarzinom zu belegen). Dies ist kein Beweis, aber ein sehr starker Hinweis darauf, dass das Auftreten dieser bösartigen Erkrankung mit diesen Maßnahmen wirkungsvoll zurückgedrängt werden konnte.

Mit Wahrnehmung des Angebotes der Früherkennung profitieren Sie persönlich von diesem Effekt. Außerdem dokumentieren Sie, dass Sie die besondere Stärke der Naturheilmedizin, nämlich die präventive Medizin für wichtig erachten und Sie setzen sich so dafür ein, dass Früherkennungs- und Vorsorgemaßnahmen auch in unserem zukünftigen Gesundheitswesen erhalten bleiben.

3. Verhalten im Falle auffälliger Befunde

Vernünftige Diskussion mit dem behandelnden Frauenarzt über Art und Bedeutung des auffälligen Befundes.

Bei unklaren Befunden: Die empfohlenen weiteren Abklärungen durchführen lassen; bei reversiblen Veränderungen: Nicht kopfscheu machen lassen; Stimulation der körpereigenen Abwehr und Kontrolluntersuchungen in Angriff nehmen.

Bei irreversiblen Veränderungen: Entfernung des veränderten Gewebes und ebenfalls Stärkung der Abwehr. Anlass zur Überprüfung der eigenen Lebensweise auf Risiken und auf Schwächen sehen.

Und vor allem: Keine Angst vor eventuell erforderlichen Eingriffen oder Kontrolluntersuchungen!